
Eröffnung der Tiroler Festspiele Erl 2009 durch Dr. Hans Peter Haselsteiner
Sehr geehrte Damen und Herren,
diejenigen von Ihnen, die schon einmal einer Eröffnung beigewohnt haben, wissen, dass K & K in Erl nicht kaiserlich königlich heißt. In einem Wortspiel haben wir die beiden geschichtsträchtigen Buchstaben umgedeutet. In Kunst und Kuhn, Kuhn und Kultur, Kunst und Kuh usw.
Im heurigen Jahr, ob es uns nun gefällt oder nicht, kann die Deutung nur Kunst und Krise lauten.
Diese Krise ist ernst und wird noch sehr viel hässlicher werden als sie sich heute darstellt. Sie wird, wenn sie vorbei ist, jeden von uns zumindest berührt, wenn nicht getroffen haben und wohl keinen von uns auf angenehme Weise. Sie verunsichert vor allem deshalb, weil wir noch immer kein Rezept gefunden haben, sie zu beherrschen. Alles was bisher geschah und wohl auch alles was noch geschehen wird, ist nicht mehr als der gut gemeinte Versuch dagegen zu halten. Diese Krise macht Angst, stürzt Menschen in Existenzsorgen und Millionen in Arbeitslosigkeit und / oder Armut. Sie wird große Marken und Unternehmungen verschwinden lassen und unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. Sie wird die Verteilungsfrage auf eine Art stellen, dass die eine oder andere Steuerreform als Antwort nicht genügt. Leicht möglich, dass sie in eine Art Revolution mündet, hoffentlich in eine, die von der Geschichte dereinst als samten grün oder friedlich bezeichnet wird und nicht als grausam oder gewaltsam.
Und wo, meine Damen und Herren bleibt, die Kunst? Aus der Geschichte wissen wir, dass große Krisen, wie wir eine zu befürchten haben, neben Kriegen die großen Feinde der Kunst sind, bezeichnender Weise genauso wie die der Demokratie. Die Prioritäten von Menschen und Institutionen ändern sich in Krisenzeiten zu Lasten von Kunst und Kultur. Sowohl Kunst schaffende wie die Träger künstlerischer Produktionen sind daher auf gerufen, gegen zu steuern. Gustav Kuhn und ich sind fest entschlossen, die Tiroler Festspiele Erl durch diese Krise hindurch zu tragen. Der Herr Landeshauptmann eröffnet heute nicht nur die Festspiele 2009 sondern auch deren dritten Zyklus von 2009 bis 2012. Mit Hilfe aller Beteiligten, dem Land Tirol, der Republik, unserer Partner aus der Wirtschaft, unserer Gönner und Freunde vor allem aber mit Hilfe unserer kunstsinnigen Besucher, werden wir dafür sorgen, dass die Jubiläumspassion 2013 im 400sten Jahr ihres Bestehens an erfolgreiche Festspiele anschließt. So Gott will, werden wir 2014 den vierten Zyklus der Tiroler Festspiele Erl beginnen.
In diesen nächsten schwierigen Jahren muss die Förderung von Kunst und Kultur als gesellschaftspolitische Unabdingbarkeit anerkannt bleiben n e b e n der notwendigen Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Armut, der Gewährleistung bestmöglicher Bildung unserer Jugend und vieler anderer wichtiger politischer Aufgaben. Hinter dieser Forderung stehen nicht künstlerischer Ergeiz oder gesellschaftliche Profilierungssucht, sondern die Überzeugung, dass Kunst gerade in Zeiten wie diesen unverzichtbar ist. Nur sie vermag die positivsten Emotionen im Menschen zu erwecken. Sie macht Zuversicht und Mut, sie macht heiter und gelassen, sie tröstet und heilt Wunden, sie gibt den Menschen die Chance, außerhalb der materiell beherrschten Welt ein Stück Glück und Zufriedenheit zu finden. Damit erleichtert sie den Umgang miteinander und trägt dazu bei, gesellschaftspolitische Prozesse kultiviert ablaufen zu lassen. Das, meine Damen und Herren, müssen wir uns alle wünschen.
Franz Schober hat in seinem Gedicht „An die Musik“ beschrieben, was die Kunst vermag. Franz Schubert hat dieses Gedicht zu einem seiner berühmtesten Lieder vertont.
Du Holde Kunst, in wie viel grauen Stunden
Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt
Hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunden
Hast mich in eine bessre Welt entrückt
Lassen Sie uns, meine Damen und Herren, nun die grauen Stunden vergessen und die Musik genießen.
Dr. Hans Peter Haselsteiner