DAS INTERNATIONALE
THEATER INSTITUT DER UNESCO CENTRUM ÖSTERREICH
Geschichte und Struktur
|
Das Internationale Theater
Institut der UNESCO wurde 1948 in Prag gegründet (Österreich ist
Gründungsmitglied) und hat in rund 90 Ländern der Welt
Mitgliedsorganisationen sowie zahlreiche einschlägige Institutionen als
affiliierte Mitglieder. Jedes zweite Jahr wird in einem der Mitgliedsländer
ein internationaler Kongress durchgeführt, in dessen Rahmen auch die Generalversammlung
abgehalten wird. Vertreter aus den verschiedenen Ländern werden in den
Vorstand des ITI gewählt, der seinen Sitz in Paris hat. Die einzelnen iTi-Länder können nur dann Delegierte für die Wahl in den
Vorstand nominieren, wenn das betreffende Land nicht nur regelmäßig seine
Mitgliedsbeiträge geleistet hat, sondern auch garantieren kann, dass für den
Delegierten im Falle seiner Wahl die Reise- und Aufenthaltskosten, die sich
aus den Vorstandssitzungen in Paris ergeben, bezahlt werden. Der Gesamt-Vorstand
gibt aufgrund der Beschlüsse der Generalversammlung die programmatischen
Leitlinien vor. Für die verschiedenen
Aufgabenbereiche hat das ITI Committees
eingerichtet (Sprechtheater, Tanztheater, Musiktheater, Ausbildung, Autoren,
Dritte Welt), die in einem der Mitgliedsländer ihren organisatorischen Sitz
haben (Büro, Sekretariat, Leitung) und in denen die Länder ebenfalls nach dem
Vorstands-System mitarbeiten. Auf der Ebene der Committees
wird die eigentliche Arbeit des iTi durchgeführt
(Seminare, Workshops, Ausschreibung und Vergabe von internationalen Preisen
für Aufführungen bzw. neue theatralische Werke u.a.m.). Die Entscheidung, in
welchem Land der Sitz eines Committees sein soll,
wird ebenfalls in der Generalversammlung getroffen und ist naturgemäß von den
nachweisbaren Ressourcen abhängig, die das Land beizustellen hat. Seit Bestehen des iTi hat Österreich einmal (1961) die Welt-Konferenz
durchgeführt. Es fand eine international beschickte Tagung des Musiktheater-Committees (1972) sowie eine Sitzung des Dance-Committees (1992) statt, es fanden interdisziplinäre
Workshops für Schauspieler/ Sänger/Tänzer statt, die Programmpunkt der drei
entsprechenden Committees waren, es wurden
Veranstaltungen, Seminare, Kurse, Vorträge, Diskussionen auf nationaler Ebene
mit zum Teil internationaler Beteiligung realisiert. Österreich wurde im
Laufe der Jahre sowohl der Sitz des Musiktheater-, als auch des Tanztheater-Committees angeboten – aus finanziellen Gründen konnten diese
ehrenvollen Anerbieten nicht angenommen werden. Ebenso wurde Österreich
mehrmals wegen einer Kandidatur für den Gesamtvorstand des iTi befragt; auch dies konnte im Hinblick auf die zu
erwartenden Reise- und Aufenthaltskosten nicht weiterverfolgt werden. Das iTi Österreich wird seit 2011 von der öffentlichen Hand
(Bund, Gemeinde Wien) im Sinne der Einsparungen im Bereich Kultur nicht mehr
gefördert. Das ITI
Österreich Das iTi
Österreich hat von 1948 bis in das Jahr 2001 in traditionell österreichischer
Symbiose existiert: Der Sitz des iTi befand sich
immer an jenem Ort, der sich aus der beruflichen Tätigkeit seines jeweiligen
Präsidenten ergab. – so war es etwa im Theater in der Josefstadt (Dr. Heinrich
Schnitzler), im Burgtheater (Dr. Ernst Haeusserman),
beim Theater der Jugend (Dr. Bernd Gallob), im
Institut für
Theater- Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien (Univ. Prof. Dr.
Wolfgang Greisenegger), im Österreichischen
Theatermuseum (Dr. Helga Dostal) angesiedelt. Der Vorteil für den
langjährigen Subventionsgeber Staat bestand darin, dass für die Infrastruktur
(Miete, Telefon...) keine Kosten anfielen; eine in den gastgebenden
Institutionen ohnedies vorhandene Sekretärin erhielt für die Mitbetreuung des
iTi eine geringe Aufwandsentschädigung. Das iTi selbst verfügte demgemäß weder über eigene Räume oder
Ausstattung, es war meist nur schwierig auffindbar und besaß keine sich aus
der einfachen Raum-Realität ergebende Identität. Mit der Ausgliederung von
Institutionen aus der Hoheitsverwaltung des Bundes fand auch das symbiotische
Dasein des iTi sein Ende: Es ergab sich die
Notwendigkeit der Anmietung eigener Räume. Trotz der daraus resultierenden
Kosten kann diese Entwicklung zur Eigenständigkeit insgesamt positiv gesehen
werden: Das ITI verfügt über
eigene Räume, die nicht nur für die laufende Arbeit, sondern auch für kleine
Veranstaltungen nutzbar sind; das iTi
ist direkt ansprechbar, sowohl persönlich, als auch über Telefon, Fax und
Email; das iTi
hat die entsprechende Infrastruktur zur Kommunikation mit den anderen rund 90
iTi-Zentren in der ganzen Welt; das iTi kann österreichische Anliegen
entsprechend behandeln und Anfragen aus dem Ausland entgegen nehmen,
beantworten, umsetzen,
weitergeben ... durch seine Existenz kann es
auch den 90 Mitgliedsländern des iTi die Existenz Österreichs als Theaterland
vermitteln –
entgegen einer verbreiteten Ansicht ist die Kenntnis des
österreichischen Theaterlebens im Ausland keineswegs so selbstverständlich,
wie |
Aktivitäten des ITI Österreich
Information
Eine der primären Aufgaben
ist es, weltweit über das Theaterleben in Österreich zu informieren.
Das iTi
kann via Email alle 90 Mitgliedsorganisationen mit einem einzigen Schreiben
erreichen.
The World of Theatre
Diese Publikation des iTi (Zentrale) erscheint jedes zweite Jahr. iTi Österreich
ist
mit einem Beitrag über das
Theaterleben in Österreich darin vertreten. Die Buchreihe stellt eine wichtige
Dokumentation des Theaterlebens weltweit dar.
Theatre Directory
Diese Publikation ist auch
über Internet abrufbar und beinhaltet Angaben nicht nur über die wichtigsten
Theater der einzelnen Länder, sondern auch über Ausbildung für
Schauspieler/Sänger/Tänzer,
über einschlägige Institutionen und Organisationen, über Fachbibliotheken und
universitäre Ausbildung. iTi Österreich kann den
eigenen Beitrag mit Schreibzugriff konstant aktualisieren.
Kontakte
iTi Österreich vermittelt
Studierenden und Theaterschaffenden Kontakte zu anderen ITI-Zentren sowie zu
Persönlichkeiten des Theaters im Ausland, wodurch ihnen der
Zugang zu Personen und
Einrichtungen des Theaters wesentlich erleichtert wird.
Welt-Theatertag /
Welt-Tanztheatertag
Jedes Jahr wird auf
Initiative des iTi von einer Persönlichkeit des
Theaters bzw. des Tanzes eine "Botschaft zum Welt-Theatertag" bzw.
zum "Welt-Tanztheatertag" verfasst, die auch vom iTi
Österreich weitergegeben wird.
Workshops
Sowohl vom iTi Österreich als auch weltweit werden facheinschlägige
Workshops veranstaltet, über die via iTi Kenntnis und
Zugang erlangt werden kann.
Veranstaltungen
·
Gespräche mit einzelnen Künstlerpersönlichkeiten
·
Diskussionsrunden zu aktuellen Themen des Theaters
·
Die Symposiums-Reihe „Quo vadis, Theater? „
·
„Werkstätte Theaterdramaturgie“ – Dreisemestriger Lehrgang mit
Diplomabschluss als „Geprüfter Theaterdramaturg“ / Geprüfte Theaterdramaturgin“
Publikationen
Das ITI Österreich
arbeitet an der Herausgabe einer
Publikationsreihe zeitgenössischer Dramen von Autoren
der Nachbarländer (wie Kroatien, Slowenien, Ungarn, Slowakei, Tschechien,
Polen....) in deutscher Übersetzung; der
erste dieser Bände ist unter dem Titel Neue Dramen – Osteuropäisches Theater
bereits erschienen. Damit sollen Zugang, Kenntnis und Verständnis der
dramatischen
Literatur gefördert, die Möglichkeit zur Bereicherung unserer Spielpläne
gegeben werden.