Fokus Künstler
LESUNG
Das Faustbüchl
nach Goethes Faust II. von Alois Grasmayr
Termin: freitag, 19. april 2013, 19 Uhr
in
den Räumen der Gesellschaft für Musiktheater
1090, Türkenstraße 19/Lift
Alois Grasmayr
Als Sohn eines Kleinbauern am 28.
März 1876 in Hohenzell bei Ried/Innkreis geboren, durfte er wegen
seiner außerordentlichen Lernleistungen in Ried das Gymnasium bzw. die
Lehrerbildungsanstalt in Salzburg besuchen. Nach fast 20 Jahren
als Aushilfslehrer im Salzburger Land erhielt er eine fixe Lehrerstelle
in St. Nikola an der Sölk. Mit 35 Jahren lernte er Magda, eine der fünf
Töchter des Großindustriellen Mautner-Markof kennen, die nach
anfänglichem Widerstand ihrer Familie die Erlaubnis zur Heirat erhielt:
sie wurde großzügig "ausgesteuert" und hatte nur mehr den Namen
Grasmayr zu führen. Alois Grasmayr war durch die Heirat zum reichen
Mann geworden, war aber weiterhin als Lehrer tätig. Bei Ausbruch des
Ersten Weltkrieges übersiedelte das Paar nach Salzburg und kaufte ein
kleines Schloss am Mönchsberg. Zur Absicherung des Vermögens seiner
Frau erwarb Grasmayr das Hotel Bristol, das Hotel Stein, den
Österreichischen Hof, das Gasthaus Blaue Gans und das Sternbräu; das
restliche Vermögen wurde in der Schweiz angelegt. Grasmayr, überzeugter
Pazifist, unternahm in der Zeit des Weltkrieges ausgedehnte Reisen u.a.
in die U.S.A. und nach Kanada.
Nach
Kriegsende kehrte das Paar nach Salzburg zurück. Grasmayr lebte als,
wie er es nannte, Privatgelehrter, der sich insbesondere dem Studium
der griechischen Mythologie, der Deutung Homers, der Bibel und Goethes
"Faust" widmete. Sein Ziel war es, Goethes Werk von der
Hochsprache zu lösen und in eine für das "landläufige Volk"
verständliche Form zu bringen. Seine Aktivitäten wurden durch den
Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Im Jahr 1944 starb seine Frau Magda,
seine beiden ältesten Söhne fielen im Krieg in Russland, er selbst
wurde von der Gestapo mehrfach inhaftiert und sollte wegen
Wehrkraftzersetzung vor den Volksgerichtshof. Es gelang ihm
1945 die Flucht in die Schweiz - über die Umstände dieser Flucht
hat er später nie gesprochen.
1948/49 zog sich Grasmayr wieder auf
sein Schlösschen auf dem Mönchsberg zurück und vollendete sein in der
Erzählform verfaßtes "Faustbüchl", das 1949 vom Silberbootverlag
publiziert wurde. Von der Literaturszene wurde das Werk teils hoch
gelobt, teils mit totaler Ablehnung bedacht, da Grasmayer
Goethes Faust-Dichtung seines prunkvollen Kleides beraubt und es
in ein Werktagsgewand gesteckt habe.
Der Privatgelehrte und Autor Alois Grasmayr verstarb am 11. März 1955.
Sepp Leitner
Der
Erzähler des Faustbüchl wurde am 30. April 1941 auf einem
Bauernhof in Innerschwand (bei Mondsee, Oberösterreich) geboren. Schon
als Schulkind musste er am elterlichen Bauernhof mitarbeiten, sodass er
höhere Fachqualifikationen sowie Matura erst neben der Tätigkeit bei
den Österreichischen Bundesbahnen erwerben und damit die Position eines
Personalbeamten, der für 120 Bedienstete zuständig war, erreichen
konnte.
Sepp Leitner hat sich in all den Jahren intensiv mit neuerer
Zeitgeschichte, mit Volkskunde und mit Mundartdichtung befaßt und im
Eigenverlag zu den genannten Themen drei Broschüren publiziert. Im
Verlaufe seiner Sammeltätigkeit von Mundartdichtung fiel ihm durch
Zufall 1978 "Das Faustbüchl" in die Hände. Er war von der Klarheit und
Leichtigkeit dieser Faust-Erzählung fasziniert und hat das Werk durch
Lesungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.